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Warum scheitern die meisten Gründer im zweiten Jahr?

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Warum scheitern die meisten Gründer im zweiten Jahr – und wie du es vermeidest

Warum melden die meisten Gründer ihr Unternehmen im zweiten Jahr wieder ab? Nicht weil ihre Idee schlecht war. Nicht weil der Markt nicht da war. Sondern weil sie mit leerem Tank losgefahren sind – und das erst auf halbem Weg gemerkt haben.

Kategorie: Gründung & Unternehmensaufbau  |  Autor: Daniel Schäfer  |  Lesezeit: 9 Min.

 

Ich habe über 4.000 Gründer begleitet und selbst mehr als 40 Unternehmen gegründet oder mitgegründet. Ich kenne dieses Muster in- und auswendig. Und ich kann dir sagen: Der Fehler passiert fast immer vor der Gründung – nicht danach.

In diesem Artikel erkläre ich dir, warum so viele Gründer im zweiten Jahr aufgeben müssen, was der eigentliche Grund dahinter ist – und was du konkret tun kannst, damit dir das nicht passiert.

Inhalt

  1. So laufen die meisten Gründungen ab
  2. Der Businessplan als Pflichtaufgabe – und das Problem dabei
  3. Das Schiff-Beispiel: Wenn der Tank auf halber Strecke leer ist
  4. Was wirklich hinter dem Scheitern im zweiten Jahr steckt
  5. Die häufigsten Fehler im Finanzplan
  6. Was du stattdessen tun solltest: Gründung vordenken statt erleben
  7. Was ein realistischer Finanzplan leisten muss
  8. Was du jetzt tun kannst
  9. Fazit

So laufen die meisten Gründungen ab

Der typische Weg in die Selbstständigkeit sieht so aus: Ein Mensch ist angestellt, kündigt oder wird gekündigt. Es folgt eine Vorgründungsphase von drei bis sieben Monaten. Dann startet das erste Jahr – und irgendwann kommt das zweite.

In dieser Zeit gibt es selten eine wirklich belastbare Planung für die Zukunft. Wenn überhaupt ein Finanzplan erstellt wird, dann meistens nur aus einem einzigen Grund: um beim Arbeitsamt den Gründungszuschuss zu beantragen oder die Bank von einem Kredit zu überzeugen.

Das ist das Problem. Nicht das Fehlen eines Plans – sondern das falsche Ziel dahinter.

Der Businessplan als Pflichtaufgabe – und das Problem dabei

Wenn ein Finanzplan nur dazu erstellt wird, um eine Förderung zu bekommen oder eine Bank zu überzeugen, dann bildet er selten die Realität ab. Die Zahlen sind dann oft optimistisch kalkuliert, Risiken werden ausgeblendet, Kosten vergessen oder bewusst kleingehalten.

Was passiert dann? Der Plan erfüllt seinen Zweck – der Antrag wird bewilligt, der Kredit ausgezahlt. Aber im echten Betrieb, im ersten Jahr, merkt der Gründer: Die Zahlen stimmen nicht mit der Realität überein. Die Umsätze kommen langsamer. Die Kosten sind höher. Die Reserven gehen schneller als geplant zur Neige.

„Ein Finanzplan, der nur für die Förderung gemacht wird, schützt dich nicht vor der Realität des Marktes.“

Das Schiff-Beispiel: Wenn der Tank auf halber Strecke leer ist

Stell dir vor, du stichst mit deinem Schiff in See. Kurs: New York. Du bist gut gelaunt, das Boot ist ausgestattet, die Crew ist an Bord. Mitten im Atlantik – auf halbem Weg – merkst du: Der Treibstoff ist fast leer. Die Wasservorräte reichen nicht mehr.

Was jetzt? Du kannst vielleicht noch zurückpaddeln. Aber dein Ziel wirst du nicht erreichen.

Genau das passiert Gründern im zweiten Jahr. Im ersten Jahr merken sie, dass der Plan nicht funktioniert. Die Einnahmen kommen nicht so, wie kalkuliert. Die Fixkosten laufen trotzdem weiter – Miete, Gehälter, Versicherungen, betriebliche Nebenkosten. Die Reserven sind aufgebraucht. Und ohne Liquidität ist ein Unternehmen genauso handlungsunfähig wie ein Schiff ohne Treibstoff.

„Insolvenz bedeutet nicht, dass die Idee gescheitert ist. Es bedeutet, dass der Tank leer war – bevor das Ziel erreicht wurde.“

Was wirklich hinter dem Scheitern im zweiten Jahr steckt

Der eigentliche Grund ist fast immer derselbe: In der Vorgründungsphase wurde kein Finanzplan erstellt, der der Realität der Zukunft entspricht. Oder der Plan war zu optimistisch, zu unvollständig, zu sehr auf Förderung ausgerichtet – statt auf die echten Marktbedingungen.

Banken und Förderinstitute sehen das übrigens sofort. Wer täglich Hunderte oder Tausende von Businessplänen prüft, wer Datenbanken mit realen Branchen-Kennzahlen hat – Margen, Deckungsbeiträge, Marketingkosten, Personalkosten – der erkennt auf den ersten Blick, ob ein Plan realistisch ist oder nicht.

Wer also einen Plan einreicht, der nicht der Branchenrealität entspricht, der nicht alle Kostenpositionen enthält, der keine Betriebsmittelreserve eingeplant hat – der überzeugt niemanden. Und wenn er doch jemanden überzeugt, schadet er sich selbst.

Die häufigsten Fehler im Finanzplan

Betriebsmittelreserve fehlt komplett

Viele Gründer planen nur die Anfangsinvestitionen – das Gerät, die Software, die erste Miete. Die laufenden Kosten der ersten Monate, bevor nennenswerte Einnahmen fließen, werden vergessen oder stark unterschätzt.

Fixkosten werden zu niedrig angesetzt

Miete, Mitarbeiter, Versicherungen, Steuerberatung, Software-Abos – all das läuft vom ersten Tag an. Nicht erst wenn der erste Umsatz da ist.

Umsatzplanung ist zu optimistisch

Viele Gründer kalkulieren so, als würden sie von Monat eins an voll ausgelastet arbeiten. In der Realität braucht es Zeit, Kunden zu gewinnen, Vertrauen aufzubauen und Prozesse einzuspielen.

Deckungsbeiträge werden falsch kalkuliert

Wer denkt, mit einem Produkt für 10 Euro einen Deckungsbeitrag von 10 Euro zu erzielen, liegt oft weit daneben. Material, Verpackung, Versand, Retouren – all das frisst Marge.

Branchenvergleiche fehlen

Ein guter Finanzplan sieht aus wie eine BWA oder Bilanz eines vergleichbaren Unternehmens. Wer komplett andere Kostenstrukturen ausweist, ohne das zu begründen, verliert sofort an Glaubwürdigkeit.

Was du stattdessen tun solltest: Gründung vordenken statt erleben

Es gibt einen entscheidenden Unterschied zwischen Gründern, die im zweiten Jahr aufgeben, und Gründern, die es schaffen: Die erfolgreichen haben die erste Jahreserfahrung vor die Gründung gelegt.

Das bedeutet konkret: Du recherchierst vor der Gründung genauso intensiv, wie du es im ersten Betriebsjahr lernen würdest – aber ohne das Geld dabei zu verbrennen. Du prüfst dein Produkt. Du sprichst mit potenziellen Kunden. Du testest, ob sie bereit sind, deinen Preis zu bezahlen. Du analysierst Mitbewerber, verstehst ihre Alleinstellungsmerkmale und erkennst, wo du dich unterscheiden kannst.

Und du erstellst einen Finanzplan, der nicht für die Förderung gemacht ist – sondern für die Realität.

„Die schmerzhaften Lektionen des ersten Jahres können auch vor der Gründung gelernt werden – ohne dass es dich die Existenz kostet.“

Was ein realistischer Finanzplan leisten muss

Ein Finanzplan, der dich wirklich schützt, ist mehr als eine Tabelle mit Wunschzahlen. Er ist ein Spiegel der Realität – so, als würdest du in drei Jahren rückwirkend deine Steuererklärung machen und alle Zahlen belegen müssen.

Ein vollständiger, belastbarer Finanzplan enthält:

  • Alle Kostenpositionen – Investitionen, Fixkosten, variable Kosten, Privatentnahmen
  • Eine realistische Umsatz- und Auslastungsplanung – nicht die beste, sondern die wahrscheinlichste
  • Betriebsmittelreserve für mindestens 6 Monate laufende Kosten
  • Gewinn- und Verlustrechnung mit erkennbarem Überschuss
  • Liquiditätsplanung für mindestens 12 Monate
  • Branchenvergleichswerte – Margen, Deckungsbeiträge, Marketingkosten ähnlich wie bei vergleichbaren Unternehmen
  • Szenarien für Risiken und Herausforderungen

Erst wenn dieser Plan steht – plausibel, vollständig, realistisch – erst dann ergibt es Sinn, den Businessplan zu schreiben und die Förderanträge einzureichen.

Was du jetzt tun kannst

Wenn du gerade in der Vorgründungsphase bist oder merkst, dass dein bisheriger Finanzplan die Realität nicht wirklich abbildet – dann ist jetzt der richtige Moment, das zu ändern.

Bei der X-Group helfen wir dir dabei, einen Finanzplan zu erstellen, der nicht nur für Fördermittel taugt, sondern dich wirklich durch die ersten Jahre trägt. Wir kennen die Fehler, weil wir sie bei tausenden von Projekten gesehen haben. Und wir helfen dir, sie zu vermeiden – bevor du sie selbst machst.

Viele unserer Beratungsleistungen sind über den AVGS-Gutschein oder das BAFA-Förderprogramm zu 50 bis 100 Prozent förderbar. Das bedeutet: professionelle Unterstützung, ohne alles aus eigener Tasche zahlen zu müssen.

Fazit: Wer vorbereitet startet, kommt ans Ziel

Die meisten Gründer scheitern im zweiten Jahr nicht wegen schlechter Ideen. Sie scheitern, weil sie mit zu wenig Treibstoff gestartet sind – weil der Finanzplan nicht die Realität abgebildet hat, weil Kosten vergessen wurden, weil die Umsätze zu optimistisch kalkuliert waren.

Der Unterschied zwischen denen, die es schaffen, und denen, die aufgeben müssen, liegt fast immer in der Vorbereitung. Wer die Lektionen des ersten Jahres vor der Gründung lernt – durch Recherche, durch realistische Planung, durch einen vollständigen Finanzplan – der startet mit gefüllten Tanks, der richtigen Crew und einem Kurs, der wirklich ans Ziel führt.

„Dein Ziel ist nicht, den Förderantrag zu gewinnen. Dein Ziel ist, im dritten, vierten und fünften Jahr noch da zu sein.“

Du willst sicherstellen, dass dein Finanzplan die Realität wirklich abbildet – und nicht nur auf dem Papier funktioniert?

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