Bist du als Unternehmer geboren? Was wirklich dahinter steckt
Kategorie: Mindset & Gründung | Autor: Daniel Schäfer | Lesezeit: 8 Min.
Alle sind Unternehmer – am Anfang. So provokant formulierte es der Neurowissenschaftler Dr. Gerald Hüter. Und genau diese These stellt eine Frage, die viele Menschen heimlich beschäftigt: Muss man als Unternehmer geboren sein? Haben erfolgreiche Gründer einen natürlichen Vorteil, den andere nicht haben? Oder ist unternehmerisches Denken etwas, das jeder lernen – und auch verlernen – kann?
Ich habe selbst den Wechsel vollzogen: vom Angestellten, sogar vom Beamten, zum Unternehmer. Das ist inzwischen über 25 Jahre her. In dieser Zeit habe ich über 40 Unternehmen selbst gegründet oder mitaufgebaut und mehr als 3.000 Gründer persönlich begleitet. Was ich dabei gelernt habe, verändert den Blick auf diese Frage grundlegend.
Inhalt
- Was ein Unternehmer wirklich ist – und warum die Definition entscheidend ist
- Das Brückenbeispiel: Problemlösung als Kern des Unternehmertums
- Alle Kinder sind Unternehmer – was dann passiert
- Wie Schule, Erziehung und Umfeld unternehmerisches Denken abtragen
- Limitierende Glaubenssätze erkennen und loswerden
- Was du jetzt tun kannst
- Fazit
Was ein Unternehmer wirklich ist – und warum die Definition entscheidend ist
Bevor wir über die Frage sprechen, ob du als Unternehmer geeignet bist, müssen wir klären, worüber wir eigentlich reden. Denn das Wort „Unternehmer“ ist für viele belegt mit Bildern von Anzugträgern, Risikokapital und Unternehmensbilanzen. Das hat mit der eigentlichen Bedeutung wenig zu tun.
Ein Unternehmer ist jemand, der etwas unternimmt. Der eine Aufgabe auf sich nimmt. Der eine Problemsituation sieht – und eine Lösung dafür entwickelt. Das ist die Kernkompetenz. Keine Ausbildung, kein Kapital, kein Netzwerk. Sondern zuerst: die Bereitschaft, Verantwortung für ein Problem zu übernehmen und aktiv nach einer Lösung zu suchen.
Das Brückenbeispiel: Problemlösung als Kern des Unternehmertums
Stell dir ein kleines Dorf vor, das von einem Bach in zwei Hälften geteilt wird. Jeden Frühling, wenn der Schnee im Gebirge schmilzt, verwandelt sich dieser Bach in ein 30 bis 40 Meter breites, reißendes Gewässer. Für ein Viertel des Jahres sind die Menschen auf der westlichen Seite von der Kirche, dem Markt, den Nachbarn auf der anderen Seite abgeschnitten.
Das ist ein Problem. Ein echter Engpass. Und genau das ist der Ausgangspunkt jedes unternehmerischen Denkens.
Ein Unternehmer beobachtet den Kontext: Er sieht den Wald, erkennt das vorhandene Holz, versteht die Bedürfnisse der Menschen auf beiden Seiten – und entwickelt eine Lösung. In diesem Fall: eine Brücke. Er könnte auch eine Fähre bauen, ein Boot bereitstellen oder einen Tunnel graben. Lösungen gibt es immer mindestens vier. Die Entscheidung, welche die beste ist, hängt von den verfügbaren Ressourcen ab.
Und dieser Unternehmer – der Brückenbauer – könnte für die Nutzung der Brücke sogar eine Maut erheben. Er löst ein Problem für andere und schafft damit eine Existenz für sich selbst.
„Ein Unternehmer ist ein Brückenbauer. Und eine Brücke steht für die Überwindung eines jeden Problems, das sich stellt.“ – Daniel Schäfer
Das gilt nicht nur in der Wirtschaft. Es gilt in jedem Lebensbereich, in dem Probleme entstehen und Menschen gebraucht werden, die Verantwortung übernehmen, statt zu warten.
Alle Kinder sind Unternehmer – was dann passiert
Dr. Gerald Hüter hat recht: Jedes Kind ist ein geborener Unternehmer. Es will trinken – und sorgt dafür, dass jemand kommt und das Problem löst. Es will die Keksdose aus dem Schrank – und entwickelt kreative Wege, um an sie heranzukommen: Stühle stapeln, Stöcke benutzen, Hilfsmittel kombinieren.
Das ist keine Kleinigkeit. Das ist unternehmerisches Denken in Reinform. Problemidentifikation, Ressourcenanalyse, kreative Lösungsentwicklung, Umsetzung. Alles vorhanden, ohne Businessplan und ohne MBA.
Das Gehirn eines Kindes hat zu Beginn das Maximum an Potenzial. Was in den ersten Lebensjahren nicht gefördert wird, baut sich ab. Die ersten fünf Jahre sind dabei entscheidend für die Grundstruktur, auf der alles Weitere aufbaut.
Und dann kommt die Schule.
Wie Schule, Erziehung und Umfeld unternehmerisches Denken abtragen
Vera F. Birkenbihl hat es beschrieben, und die Forschung bestätigt es: Das Schulsystem, wie wir es kennen, ist nicht darauf ausgelegt, Problemlösungskompetenz zu stärken. Es ist darauf ausgelegt, Anpassung zu trainieren.
Lehrpläne, Regeln, vorgegebene Antworten auf vorgegebene Fragen. Was richtig ist und was falsch. Wie man sich zu verhalten hat. Das alles hat seinen Platz – aber es hat einen Preis. Kreativität wird nicht ausgebaut, sie wird reduziert. Nicht böswillig, aber systematisch.
Dazu kommt das Umfeld. Eltern, Lehrer, Bekannte, die sagen: Das kannst du nicht. Das schaffst du nicht. Du bist zu jung, zu alt, zu unerfahren, zu risikofreudig, zu anders. Diese Aussagen sind wie Heringe, die ein Zelt im Boden verankern. Sie halten dich fest. Und je länger du sie hörst – und glaubst – desto tiefer sitzen sie.
Wer mit Mitte 20 gründet, kämpft gegen einige dieser Anker. Wer mit 40 oder 50 startet, trägt oft Jahrzehnte davon mit sich.
Limitierende Glaubenssätze erkennen und loswerden
Der erste Schritt ist Bewusstsein. Zu erkennen, dass die Zweifel, die dich zurückhalten, nicht deine eigenen sind. Sie wurden dir gegeben – von Menschen, die selbst nicht den Weg gegangen sind, den du gehen möchtest.
Meine Empfehlung ist klar: Misstraue jedem, der dir sagt, was du nicht kannst – wenn dieser Mensch nicht selbst ein Leben führt, das von Gestaltung, Kreativität und unternehmerischem Erfolg geprägt ist. Das klingt hart. Aber es ist einer der wirksamsten Filter, den du anlegen kannst.
Der zweite Schritt ist das Umfeld. Du brauchst Menschen um dich, die freier denken als du gerade. Die Lösungen suchen, statt Probleme zu verwalten. Die Verantwortung übernehmen, statt auf andere zu warten. Dieses Umfeld verändert, was du für möglich hältst – schneller als jedes Buch und jedes Seminar.
Der dritte Schritt ist Praxis. Unternehmerisches Denken lernt man nicht durch Theorie. Man lernt es, indem man anfängt. Kleine Probleme lösen. Erste Ideen testen. Erste Kunden ansprechen. Erste Fehler machen und daraus schließen.
Was du jetzt tun kannst
Du musst kein Startup gründen, um wieder unternehmerisch zu denken. Es beginnt mit einer einfachen Frage: Welches Problem sehe ich – und was könnte ich dagegen tun?
Das kann im Job sein. In deiner Familie. In deiner Stadt. Oder in einem Markt, den du kennst. Unternehmerisches Denken ist keine Frage der Branche oder des Kapitals. Es ist eine Frage der Haltung.
Wenn du dieses Denken in ein Geschäftsmodell überführen willst – wenn du eine Lösung hast, für die andere bereit sind zu zahlen – dann ist der nächste Schritt, diese Lösung in einem Businessplan und Finanzplan abzubilden. Nicht weil Banken das so wollen, sondern weil dieser Prozess dir selbst zeigt, ob die Idee wirklich trägt.
Bei der X-Group begleiten wir bundesweit Gründer und Unternehmer genau dabei: von der ersten Idee bis zum investoren- und bankfähigen Konzept. Viele unserer Beratungsleistungen sind über Förderprogramme wie den AVGS, die BAFA oder den KfW-Gründerkredit teilweise oder vollständig förderbar.
Fazit: Du warst Unternehmer. Du kannst es wieder sein.
Die Frage ist nicht, ob du als Unternehmer geboren bist. Die Frage ist, was seitdem passiert ist – und ob du bereit bist, die Anker zu lösen, die dich festhalten.
Du hast als Kind Probleme gelöst, ohne zu zweifeln, ob du dazu in der Lage bist. Diese Fähigkeit ist nicht verschwunden. Sie wurde überlagert – von Erziehung, Schule, Umfeld, fremden Meinungen. Aber sie ist noch da.
Unternehmer zu sein bedeutet nicht, keine Zweifel zu haben. Es bedeutet, trotz Zweifel Verantwortung zu übernehmen. Eine Brücke zu bauen, auch wenn der Fluss reißend ist. Lösungen zu entwickeln, auch wenn der Ausgang ungewiss ist.
Je besser deine Lösung – desto mehr Menschen profitieren davon. Und desto besser wirst du dafür bezahlt. Das ist kein Zufall. Das ist das Grundprinzip jeder funktionierenden Wirtschaft: Wer anderen dient, wer echten Wert schafft, wird dafür entlohnt.
„Alle sind Unternehmer – am Anfang. Die Frage ist, ob du es auch am Ende noch bist.“ – Daniel Schäfer
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