Existenzgründung fördern: Die 7 wichtigsten Fördermittel für Gründer in Deutschland
Von Daniel Schäfer, Unternehmensberater & Gründer bei X-Group
Kurz gesagt: Wer sich in Deutschland selbständig macht, muss zahlreiche Formalitäten beachten – hat aber auch Anspruch auf eine ganze Reihe von Fördermitteln. Von der Finanzierung der Lebenshaltungskosten über Investitionsförderung bis zur kostenfreien Beratungsförderung: Dieser Beitrag zeigt die sieben wichtigsten Programme im Überblick.
Inhalt dieses Beitrags
- Warum die Finanzierung deiner Lebenshaltungskosten am Anfang entscheidend ist
- Gründungszuschuss: Förderung über die Arbeitsagentur
- Förderung der Vollerwerbsgründung durch das Jobcenter
- Regionale Förderprogramme der Bundesländer
- Investitionsförderung: KfW-Startgeld und Landesförderprogramme
- Vorteile geförderter Darlehen gegenüber klassischen Bankkrediten
- Beratungsförderung: AVGS und ESF-Förderung
- Fazit: Der richtige Fahrplan für deine Förderanträge
1. Warum die Finanzierung deiner Lebenshaltungskosten am Anfang entscheidend ist
Das, was du am Anfang deiner Selbständigkeit am meisten brauchst, ist die Finanzierung deiner privaten Lebenshaltungskosten. Der Grund ist simpel: Dein Unternehmen wird selten von Beginn an kostendeckend arbeiten – und erst recht nicht genug Überschuss abwerfen, um deinen Lebensunterhalt zu decken. Deshalb hat der Gesetzgeber mehrere Programme aufgesetzt, die zunächst bundesweit gelten.
2. Gründungszuschuss: Förderung über die Arbeitsagentur
Das erste bundesweite Programm ist der Gründungszuschuss. Anspruch darauf hast du, wenn du einen ALG1-Bescheid hast und noch mindestens 150 Tage Restanspruch besitzt. Du reichst dafür deinen Businessplan, deinen Finanzplan und eine fachkundige Stellungnahme ein – Letztere erstellen wir beispielsweise bei der X-Group. Damit hast du Anspruch auf 6 Monate Gründungszuschuss plus eine weitere Förderung deiner Krankenversicherungsbeiträge in Höhe von 300 €.
„Du reichst deinen Businessplan, Finanzplan und die fachkundige Stellungnahme ein und hast Anspruch auf 6 Monate Gründungszuschuss.“
3. Förderung der Vollerwerbsgründung durch das Jobcenter
Die zweite bundesweite Option ist die Förderung deiner Vollerwerbsgründung durch das Jobcenter. Auch das Jobcenter unterstützt dich dabei, das Ende der Hilfebedürftigkeit zu erreichen: Es zahlt dir weiterhin ALG2, übernimmt deine Krankenversicherung und weitere Kosten und fördert zusätzlich mindestens ein Einstiegsgeld – für einen Zeitraum von 12 bis 24 Monaten.
4. Regionale Förderprogramme der Bundesländer
Der dritte Baustein für deine Lebenshaltungskosten sind regionale Förderprogramme. In jedem Bundesland gibt es spezielle Programme, mit denen du dein Unternehmen fördern lassen kannst – als 100-, 80-, 60- oder 50-Prozent-Zuschuss. In Berlin gibt es zum Beispiel den Gründerbonus Plus mit Zuschüssen bis 50.000 €; Brandenburg und Baden-Württemberg haben jeweils eigene regionale Zuschussprogramme. In der Regel ist darin auch das Geschäftsführergehalt enthalten, von dem du deine Lebenshaltungskosten decken kannst.
5. Investitionsförderung: KfW-Startgeld und Landesförderprogramme
Im zweiten Förderbereich geht es um Mittel für deine notwendigen Investitionen oder den Aufbau einer Betriebsmittelreserve. Die Betriebsmittelreserve kann auch Rücklagen für Personalkosten oder anteilig für deine Lebenshaltung enthalten – im Wesentlichen soll damit aber alles finanziert werden, was du an Maschinen, Geräten, Ausstattung, Möbeln und Technik brauchst: maximal 80.000 € Betriebsmittel.
Während das KfW-Startgeld (auch ERP-Gründerkredit genannt) bundesweit beantragt werden kann, gibt es zusätzlich Landesförderprogramme: Mikrodarlehen bzw. KMU-Mikrofinanzierung in der Regel bis 50.000 €, sowie größere Finanzierungen – je nach Bundesland bis zu 5 Millionen, in anderen nur 3 oder 1,5 Millionen Euro. Das reicht in der Regel aus, um auch größere Vorhaben wie eine Werkstatt, eine Produktionseinrichtung oder ein größeres Unternehmen zu finanzieren.
6. Vorteile geförderter Darlehen gegenüber klassischen Bankkrediten
Ein gefördertes Darlehen bringt gleich mehrere Vorteile mit sich:
- Niedrigere Zinsen – statt eines hohen Zinssatzes von etwa 10 % bei Risikoprojekten zahlst du oft nur die Hälfte.
- Zuschüsse bei den Bürgschaftskosten, die teilweise übernommen oder subventioniert werden.
- Tilgungsfreie Zeiträume, die dir zu Beginn finanziellen Spielraum verschaffen.
Der größte Vorteil: Als Neugründer bekommst du überhaupt eine größere Finanzierung – normale Geschäftsbanken vergeben Kredite in dieser Höhe meist erst, wenn du mindestens drei erfolgreiche Geschäftsjahre nachweisen kannst.
7. Beratungsförderung: AVGS und ESF-Förderung
Der dritte große Förderbaustein ist die Beratungsförderung. Institute wie die Arbeitsagentur, das Jobcenter, die Landesbank oder die KfW verlangen alle einen plausiblen Businessplan und Finanzplan. Wenn du dich zum ersten Mal selbständig machst, musst du darin eine Reise beschreiben, die du selbst noch nicht erlebt hast – ohne Erfahrung ein echtes Glücksspiel, das im Alleingang leicht dreimal so lange dauert und zahlreiche Fehler enthält, die oft zur Ablehnung führen.
Deshalb gibt es bundesweite Beratungskostenförderprogramme:
- Den Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein (AVGS), der 100 % der Vorgründungscoaching- und Beratungskosten übernehmen kann. Voraussetzung ist ein aktiver ALG1- oder ALG2-Bescheid – oder dass du beim Arbeitsamt als arbeitsuchend gemeldet bist, auch ohne Leistungsbezug.
- Falls kein AVGS-Anspruch besteht oder der Sachbearbeiter ihn nicht ausstellt: die ESF-Förderung über das Bundesamt für Ausfuhrkontrolle, ein europäisches Förderprogramm mit Zuschüssen von 50 bis 80 % der Beratungskosten (neue Bundesländer in der Regel 80 %, sonst 50 %) – direkt ausgezahlt auf dein Konto.
8. Fazit: Der richtige Fahrplan für deine Förderanträge
Die größte Herausforderung bei Förderprogrammen ist oft, eine Zukunft, die du selbst noch nicht erlebt hast, so in Zahlen und Text abzubilden, dass ein Entscheidungsträger, den du nie triffst, davon überzeugt wird. Genau hier braucht es Erfahrung, Kontakte, die richtigen Tools und Templates sowie Kenntnis der internen Bewilligungsrichtlinien der jeweiligen Programme.
X-Group ist seit 2002 am Markt und hat viele tausend Gründerunternehmer begleitet – von der Gründung bis zum Exit oder Unternehmensverkauf, bis hin zur Nachfolge und zum Unternehmenskauf.
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